Das "Posse - Kreuz" und seine Geschichte

Es war im Mai des Jahres 1845, also genau zur der Jahreszeit, zu der wieder viele tausend Pilger, die nach Klausen oder Trier unterwegs waren, hier vorbei zogen. Dunkle Wolken hatten sich am Himmel zusammengezogen und ein Frühjahrsgewitter kündigte sich an. Matthias Poss aus Pohlbach hatte rasch die Arbeit auf dem Feld beendet und befand sich bereits mit seinem Pferdefuhrwerk auf dem Heimweg. Da plötzlich traf ihn jäh ein Blitz. Er war sofort tot.
An der Unglücksstelle errichtete man aber zu seinem Gedenken ein Schrifttafelkreuz aus Sandstein mit der Inschrift:

Inschrift des neu gestalteten "Posse-Kreuz" bei AltrichZum Andenken
an
MATH.POS
er starb am 24. Mai
1845
P M

So vergingen etwa 100 Jahr. Unbeachtet von allen Pilgern stand das Kreuz, abseits der Wallfahrtsroute, am Weg Richtung Altrich. Als man aber Mitte des letzten Jahrhunderts mit dem Neubau des Autobahnteilstückes Wittlich - Schweich begann, musste der "Klausener Weg" in diesem Bereich verlegt werden. Unter einer Brücke hindurch führte dann der neue Weg um den Autobahnrastplatz "Büscheid" herum, direkt am "Posse-Kreuz" vorbei. Seit dieser Zeit zogen nun alle Wallfahrten an diesem Kreuz vorbei, darunter auch die St. Matthias Bruderschaft von Adenau.
Nun begab es sich aber, dass sich eines Tages gemeinsam mit der Adenauer Bruderschaft auch einige Pilger aus der benachbarten Pfarrei Wanderath mit auf den Weg machten. Dazu gehörte auch eine Frau aus Herresbach, die dem damaligen Brudermeister Toni Frings von alten Pfarrunterlagen zu berichten wusste, in denen geschrieben stand, dass man im Jahre 1741 für einen auf der Wallfahrt verstorbenen Pilger aus Döttingen (das auch zur Pfarrei Wanderath gehört) bei Wittlich ein Kreuz errichtet hatte. Allerdings wusste zu diesem Zeitpunkt niemand mehr zu sagen, an welcher Stelle man es errichtet hatte und wie es aussah.

Nun muss aber im Laufe der Jahre (laut späterer Angabe einiger Adenauer Pilger) die Inschrift des "Posse-Kreuzes" so stark verwittert gewesen sein, dass in den achtziger Jahren angeblich nur noch die Worte "Zum Andenken an..." mit Sicherheit zu erkennen waren.
Das aber brachte die Pilger aus Adenau nun während einer Wallfahrt in dieser Zeit auf den Gedanken, dass es sich doch möglicherweise bei dem alten Wegekreuz am Rastplatz "Büscheid" um ihr gesuchtes Pilgerkreuz handeln könne. Um sich zu vergewissern, befreiten sie das seinerzeit stark zugewachsene Kreuz von Brennesseln und anderem Gewächs und dann versuchte man gemeinsam die Reste der Inschrift zu entziffern. Da dies aber offensichtlich nicht gelang, befragten sie einen Landwirt aus Büscheid. Nachdem dann aber auch dieser nichts gegenteiliges zur vermuteten Kreuzstiftung sagen konnte, gelangten die Pilger schließlich zu der Überzeugung, dass es sich hier tatsächlich um das Kreuz, für den auf der Wallfahrt verstorbenen Servatius Schmitt aus Döttingen handeln müsse.
Seit dieser Zeit nun verweilten die Wallfahrer aus Adenau alljährlich hier am Kreuz. Jahr für Jahr säuberten sie liebevoll den Standort und sprachen für den vermeintlich hier verstorbenen Pilger ein Gebet, bevor sie dann ihren Weg wieder fortsetzten.

Im festen Glauben, es handele sich um das "Pilgerkreuz", kam dann auch der damalige Brudermeister Toni Frings zu dem Entschluss, die stark verwitterte Kreuzinschrift erneuern zu lassen. So beauftragte er im Jahre 1987 seine Pilgerbrüder Josef Buhr, der Steinmetzmeister in Volkesfeld im Kreis Mayen war, und Karl Romes aus Müllenbach damit, die erforderlichen Arbeiten auszuführen. Da der Stein aber an Ort und Stelle nicht bearbeitet werden konnte, fuhr man im Frühjahr 1988 nach Altrich, baute kurzerhand das Wegekreuz ab und brachte es nach Volkesfeld. Dort stellte der Steinmetz dann fest, dass die durch Verwitterung stark beschädigte Oberfläche der Vorderseite für eine Restaurierung ungeeignet war. Darum entschied er sich dafür, eine neue Inschrift auf der noch glatten Rückseite anzubringen. Auf Veranlassung des Brudermeisters meißelte er sodann auf das "Posse-Kreuz" die Inschrift:

ZUM ANDENKEN
SERV.SCHMITT
1741
P.M.

Obwohl das Wegekreuz am "Kleinen Heinzenberg" scheinbar viele Jahre von den Ortsansässigen unbeachtet dort am Weg gestanden hatte, versetzte aber jetzt sein plötzliches Verschwinden manchen Altricher Bürger in Entsetzen und Empörung. So soll der damalige Ortsbürger Josef Friedrich angeblich in einem Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Wittlich-Land auf den vermeintlichen "Diebstahl" aufmerksam gemacht haben und bat darin die Bevölkerung, Hinweise über den Verbleib des Kreuzes zu machen. Aber zunächst blieben alle Nachforschungen ohne Ergebnis.
(Das die "Suchmeldung" in einem der Mitteilungsblätter zu finden sei, bestätigte sich aber leider nicht. Aber auch in anderen Blättern konnte dieser Hinweis, zwecks genauer Datierung, nicht gefunden werden).
Aber siehe da, so plötzlich wie es verschwunden war, stand es dann auch eines Tages wieder an seinem angestammten Platz. Jedoch, zur Verwunderung einiger Altricher, trug es nun eine neue Inschrift!
Wer war Serv.Schmitt?
Nur ein Monat war seit der "Entführung" vergangen. Josef Buhr und Karl Romes hatten sich mit den Arbeiten beeilt, denn die Wallfahrer aus Adenau wollten ja auch im Mai 1988 wieder am "ihren" Kreuz für den verstorbenen Pilger beten. Zu ihrer großen Freude und Überraschung fanden die Pilger dann auch bei ihrem Eintreffen, an einem sauber hergerichteten Platz, ein fast neues Kreuz vor.
Gut zehn Jahre hielt diese Freude an. Als sie aber im Mai 1999 wieder hier vorbei kamen, mussten sie nun mit Entsetzen feststellen, dass nicht nur "ihr" Kreuz - sondern auch der dazugehörende Wald fort war. Zu dieser Zeit wurde für den Bau eines neuen Autobahnkreuzes südlich des Rastplatz Büscheid ein großer Teil des Waldes gerodet und das wiederum machte ein Versetzen des Kreuzes erforderlich.
Dabei war es anscheinend verschwunden. Wie sich dann aber später herausstellte, war die  falsche Inschrift einem entfernten Verwandten, des 1845 hier von einem Blitz erschlagenen Mathias Poss, bereits seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. So ließ er sich von der zuständigen Denkmalschutzbehörde die Genehmigung erteilen, auf dem "Posse-Kreuz" wieder die ursprüngliche Inschrift anbringen zu dürfen.
Mit dieser Arbeit beauftragte er nun vor Kurzem einen Steinmetz aus Krames. Nach der Fertigstellung soll das Kreuz dann wieder am "Klausener Weg" errichtet werden. Diesmal allerdings ein Stück weiter in Richtung Altrich, dort wo heute noch der Wald erhalten ist. Somit steht es dann zwar nicht mehr am ehemaligen Unglücksort, aber so doch wenigstens weit genug von der neuen Autobahn entfernt.

entnommen aus: "Richtiger Wegzeiger für die Reyß zu Land von Siegburg auff Trier". Auf den Spuren der Pilger zum Grab des Heiligen Matthias. Von Dieter Schmellekamp; Hg:  Abtei "St. Matthias", Trier. Rheinlandia Verlag Klaus Walterscheid, 2002

zum Standort des Kreuzes

die Wegekreuze in Altrich: das "Posse-Kreuz" von 1845 - in 2003 wieder aufgebaut

zur Gesamtsicht des Kreuzes
 

 

 


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